Duftbaustein: Weihrauch

„Wenn der Priester den Weihrauch auf die glühenden Kohlen legt und das feine weiße Wölkchen leicht und duftig vor dem Altare aufsteigt, […] und nach und nach der ganze Altar sich in Rauch hüllt, der köstliche Duft die weiten Hallen füllt und die bunten Lichter, die die Sonne durch die gemalten Scheiben wirft, in den Wölkchen spielen, dann weiß jeder, es ist Feiertag.“(Gregor Böckeler). Der Duft des Weihrauches erweckt in fast allen Menschen in erster Linie die Erinnerung an den Gottesdienst, einer Kirche oder an den Besuch der Sternensänger.

Duft der himmlischen Erkenntnis

Weihrauch ist ein einzigartiger und ganz besonderer Duft der Erinnerungen weckt, Emotionen hervorruft und bei vielen festlichen Ereignissen verwendet wird. Schon die heiligen drei Könige aus dem Morgenland haben bei ihrem Besuch in der Krippe dem neugeborenen Jesukind Weihrauch als Geschenk gebracht.

Der Geruch des Weihnrauches wurde als Zeichen für die Anwesenheit der Götter gedeutet und war lange Zeit nur Priestern vorbehalten. Der Duft symbolisiert zudem die Gebete der Menschen, die zu Gott hinaufsteigen. Ebenso Aufsteigen der Seele der Toten in den Himmel. Zudem sagt man, dass Weihrauch die Atmung verlangsamen und vertiefen kann. Dadurch soll innere Ruhe entstehen.

Der Weihrauch selbst ist getrockneter Wundsaft (Harz) von Bäumen der Gattung Bosewellia. Der trockene, würzig-holzige Geruch, der in hoher Dosierung sogar narkotisch wirken kann, entsteht während der Verbrennung dieses Harzes. Erst wenn der Harz wieder erkaltet nimmt er den leicht modrigen Kirchengeruch an. Neben zahlreichen anderen Substanzen wie ätherische Öle, Gerbstoffe usw. enthält der Weihrauchharz auch 5 - 8% Boswelliasäuren. Diese haben entzündungshemmende Wirkungen und daher wird der weihrauch auch als Naturheilmittel verwendet.

Weihrauch ist mit seinen würzigen und holzigen Akzenten eine Duftnote, die auch in der Parfümerie mehr und mehr in den Vordergrund rückt. Dies mag gewagt klingen, da ein gutes Parfüm nach der Meinung vieler eher erotisch, frisch oder blumig riechen- und nicht an schwere Kirchenmauern erinnern soll.

In der Parfümerie wird das Weihrauchöl meist als Kopfnote verwendet. Der harzig, holzig und trockene Duft hat eine schwache Zitronennote. Der erste Parfumeur, der den Weihrauch als Duftnote in seine Kreationen einbezog "war Serge Lutens. Er mischte Weihrauch mit Lavendel. Seitdem wagen sich immer mehr Parfumeure an die gewagte Komposition. Klar ist, dass sich bei dem Duft des Weihrauches als Parfüm die Geister scheiden: Der eine mag es, der andere eben nicht. Spannend und neu ist diese Duftkombination jedoch in jeder Hinsicht.