Duftbaustein: Tierische Sekrete
Moschus ist wohl einer der bekanntesten Vertreter tierischer Sekrete. Er wird aus der etwa walnussgroßen Brunftdrüse am Bauch des Moschushirsches gewonnen. Zuerst war das Moschus ein Heilmittel, welches bis heute in der traditionellen chinesichen Medizin eingesetzt wird.
Moschus beliebt und geschätzt
Die Kreuzritter brachten das tierische Sekret mit nach Europa, wo es wegen seiner aphrodisierenden Wirkung geschätzt wurde. Moschushirsche müssen getötet werden, damit das tierische Sekret (es riecht fein holzig, animalisch und leicht fruchtig-frisch) gewonnen werden kann. Die wildlebenden Hirsche in ihrer angestammten Heimat zwischen Russland, China, Indien und Vietnam sind fast ausgerottet und stehen überall unter Schutz. Heute werden die Tiere zur Gewinnung von Moschus in China gezüchtet.
Zibet ein Hauch von Orient.
In orientalischen Düften steckt oft ein weiteres tierisches Sekret, das Zibet. Hierbei handelt es sich um das Markierungssekret der Zibetkatze. Doch auch Ginsterkatzen und Zivetten, die alle zur Gattung der Schleichkatzen gehören, wird dieses tierische Sekret erzeugt. Die Tiere produzieren in ihren Afterdrüsen eine weiße, schaumige, stark riechende Substanz. Dieses tierische Sekret, das früher ebenfalls als Heilmittel genutzt wurde, hat in seiner natürlichen, unverdünnten Form alles andere als einen betörenden Duft. Der Geruch ähnelt dem von Moschus.
Castoreum der animalische Duft
Der Biber erzeugt das Bibergeil oder Castoreum. Auch dieses tierische Sekret wurde in der Heilkunde verwendet. Heute findet es sich noch in homöopathischen Produkten. Castoreum wird sowohl von männlichen, als auch weiblichen Bibern erzeugt. In den Drüsensäcken der Tiere wird eine fetthaltige Substanz produziert mit der Biber ihr Revier markieren. Toten Bibern wurden diese Drüsensäcke entnommen und anschließend rauchgetrocknet. Die harzartige, bräunliche Substanz wird heute auf Biberfarmen gewonnen. Hier streifen die Tiere das begehrte tierische Sekret in eingegrabenen Dosen ab.
Treibgut Amber, wertvoller als Gold
Amber ist ein weiteres Beispiel für ein viel verwendetes tierisches Sekret. Dieser Stoff entsteht im Verdauungstrakt des Pottwals. Bis heute ist unklar, warum manche Wale Amber produzieren. Es wird vermutet, dass es sich um eine Stoffwechselkrankheit handelt, bei der Nahrungsreste wie Schnäbel oder Hornkiefer in dem tierischen Sekret eingelagert werden. Es wird aber auch spekuliert, dass es sich um einen Wundheilungsprozess handeln könnte. Anfangs wurde Amber in Klumpen von bis zu 100 kg auf dem Meer treibend gefunden. Erst später wurde Amber bei der Schlachtung von Pottwalen in deren Darm entdeckt. Dabei können bis zu 400 kg im Darm vorhanden sein. Solche Mengen führen zum Darmverschluss und somit zum Tod der Tiere. Das frische Amber ist weich und riecht abstoßend. Erst wenn Amber über längere Zeit Kontakt mit Licht, Luft und Salzwasser hat, erhält es die feste angenehm duftende Konsistenz. Die meisten tierischen Sekrete werden heute synthetisch erzeugt. Dadurch werden die Tierbestände geschont.